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Unna, 23. April 2020
Einfach los bauen geht nicht

SPD legt beim Thema Eishalle Wert auf präzise Planung und Kostenkalkulation

Man kann nicht mal so eben eine Eishalle sanieren und betreiben. Das ist ein ebenso komplexes wie ehrgeiziges Projekt, dass einer weitsichtigen Planung und präziser Berechnungen Bedarf. Dass diese Erkenntnis die Initiative „Unna. Braucht. Eis“ und den Königsborner JEC zu einem pauschalen Rundumschlag veranlasst – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der im Rathaus alle Kräfte im Kampf gegen die Corona-Pandemie gebündelt werden – löst bei der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Unna Irritationen aus. „Selbstverständlich muss der Bürgerentscheid ernst genommen und umgesetzt werden. Aber natürlich mit Sachverstand und rechtskonform“, betont Vorsitzender Bernd Dreisbusch.

Die Vorwürfe, die in einem offenen Brief an alle Ratsmitglieder formuliert worden sind, bezeichnet Dreisbusch nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Krisen-Situation und der sich daraus zwingend ergebenden Prioritätenverschiebung bei allen Handelnden zu diesem Zeitpunkt als wenig hilfreich. „Obwohl jetzt andere Dinge Vorrang haben, wird an den Planungen für die Eissporthalle weiterhin konsequent gearbeitet. Und dazu gehört auch, dass Experten einbezogen und vergaberechtliche Fragen geprüft werden. Wenn dabei Fakten auf den Tisch kommen, die die Initiative so nicht einkalkuliert hat, muss man sich darüber auf sachlicher Ebene verständigen und nicht einfach die Brocken hinschmeißen.“

Die SPD-Fraktion legt Wert darauf, im weiteren Verfahren solide Zahlen zu erhalten, die es dem Rat und allen Bürgern ermöglichen, die Belastung für den städtischen Haushalt realistisch einzuschätzen. „Wir müssen ein Bauprojekt über den gesamten Lebenszyklus betrachten, das heißt neben den Investitionskosten auch die Betriebskosten im Blick haben, die über eine Laufzeit von 30 Jahren ein Vielfaches der Baukosten betragen werden.“ Ein weiterer wichtiger Punkt: die Einhaltung baurechtlicher Vorgaben und damit verbundener Auswirkungen auf die Projektplanung. Denn leider
seien die so genannten „technisch schlankeren Lösungen“, so wie „Unna.braucht.Eis“ sie vorgeschlagen habe, nicht immer umsetzbar. Dreisbusch nennt als Beispiele Wärmeschutz sowie neue Techniken und Auflagen bei dem Betrieb von Eisaufbereitungsanlagen. Damit müsse sich auch die Politik auf Grundlage von Expertenaussagen beschäftigen. „Das hat nichts mit zerreden und verschleppen zu tun.“
Weiterhin ist den Sozialdemokraten wichtig, den Aspekt des Klimaschutzes bei der Gesamtdiskussion nicht außen vor zu lassen. „Eislaufen im Sommer? Wenn wir nach wie vor von einem Ganzjahresbetrieb sprechen, ist das in der heutigen Zeit wohl kaum jemandem zu vermitteln. Auch die Eishalle in Bergkamen hat aus diesem Grund nur von Herbst bis Frühjahr geöffnet.“

Ist eine Sanierung der Eishalle durch Unna.braucht.Eis, anders als von der Initiative zunächst geplant, aufgrund der neuen Erkenntnisse tatsächlich nicht möglich und muss deshalb durch die Stadt bzw. die Wirtschaftsbetriebe Unna erfolgen, sieht die SPD bei der anschließenden Verpachtung UbE weiterhin als potenziellen Partner. „Aber bei aller Wertschätzung des großen Engagements für die Sache: Einfach mal drauf los bauen bei einem Projekt dieser Größenordnung geht nun mal nicht.“